Entwicklungsphasen des Welpen
| Die ersten drei Wochen | Die dritte Lebenswoche |
| Vierte bis achte Woche | Dritter bis fünfter Monat |
Nachfolgend
einige Informationen über die psychische und körperliche Entwicklung des
Wesens und der körperlichen Fähigkeiten eines Hundes in den ersten sechs
Monaten seines Lebens.
Der Hund ist ein Lernlebewesen. Anfangs wird sein Tun noch überwiegend von
angeborenen Verhalten gelenkt. Doch rasch nimmt die Umwelt mit ihren Eindrücken
und Reizen zunehmend Einfluss auf die Entwicklung. Das heißt, dass die
Erfahrungen, die der Hund mit seiner Umwelt macht, und das, was er daraus lernt,
weitgehend die Auswirkung der angeborenen Eigenschafen bestimmen. So macht das
Zusammenwirken von Angeborenem und Erlerntem letztlich das Wesen unseres Hundes
aus.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die große Verantwortung, die sowohl der
Züchter als auch der zukünftige Besitzer für eine gesunde Entwicklung seines
Welpen tragen.
Die ersten drei Wochen oben
Nach etwa
63 Tagen Tragezeit wird ein Welpe geboren. Augen und Ohren sind noch
geschlossen, und der kleine Hund wirk recht hilflos und unfertig. Doch er steckt
voller Lebensenergie. Innerhalt seiner unmittelbaren Umgebung funktionieren
bereits sein Geruchssinn sowie sein Empfinden für unterschiedliche Wärmegrade.
Das Wichtigste für den Welpen in diesen ersten Wochen ist die Befriedigung
seiner lebensnotwendigen Bedürfnisse nach Nahrung und Nestwärme. Ebenso
entscheidend für eine gesunde Entwicklung ist die Entstehung des sogenannten
Urvertrauens. Dies wird dem Welpen durch dir Fürsorglichkeit und Pflege seiner
Mutter vermittelt, vorausgesetzt, sie ist normal veranlagt und zeigt ein
ausgeprägtes Brutpflegeverhalten.
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Erste
Lernleistung:
Nachdem er von seiner Mutter abgenabelt und intensiv geleckt wurde, wird der
lebenstüchtige Welpe alle Energie aufbieten, um mit Hilfe seines Geruchssinnes
das Gesäuge zu finden und sich einen Zitze zu erobern. Abgesehen davon, dass
die Muttermilch lebensnotwendig ist, hat das selbständige Erreichen des
Gesäuges noch einen anderen Sinn.
Der Welpe hat seine erste Lernleistung vollbracht, das heißt, er ist aus
eigener Anstrengung zu einem Erfolg gekommen und hat anschließend einen
angenehmen Zustand, den des Sattseins, erreicht. Natürlich bedeutet das Suchen
des Gesäuges und das Sichdurchsetzen gegen die Geschwister einen gewissen
Stress für einen Welpen. Verhaltensforscher haben jedoch herausgefunden, dass
dieser Stress für eine gesunde entwicklung des Hundes sehr wichtig und
notwendig ist.
Zweite
Lernleistung:
Genauso verhält es sich mit dem sogenannten Kontaktliegen. Welpen haben die
Angewohnheit, zum Schlafen ganz nah zusammenzurücken oder sich dicht an ihre
Mutter zu kuscheln. So stillen sie ihr Bedürfnis nach lebenswichtiger Wärme,
Geborgenheit und Vertrauen. Dabei ist jeder Welpe bestrebt, mit Hilfe seines
Temperaturempfindens den wärmsten Platz in der Gemeinschaft zu finden.
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Die dritte Lebenswoche oben
Etwa am Anfang der dritten Lebenswoche macht der Welpe einen großen Schritt in seinem Dasein. Seine Augen öffnen sich, und das Gehör beginnt zu funktionieren. Auch seine Milchzähne brechen durch. Aufgrund dieser Veränderungen erweitert sich die Wahrnehmungsfähigkeit, und auch der Bewegungsdrang des kleinen Hundes wird immer größer. Nun beginnt er, aktiv seine Umwelt zu erkunden, und ist gerüstet für den nächsten, ganz entscheidenden Lebensabschnitt.
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Vierte bis achte Woche oben
Anfang der
4. Lebenswoche setzt der erste Teil der Sozialisierungsphase ein, der etwa bis
zum Anfang der 8. Lebenswoche dauert. Nachdem Augen und Ohren sich geöffnet
haben, steht dem Welpen sozusagen die Welt offen. Schrittweise vergrößert sich
jetzt der Aktionsradius des kleinen Hundes. Dabei ergänzen sich die psychische
und die körperliche Entwicklung.
Je aktiver und beweglicher der Welpe wird, um so eifriger erforscht er seine
Umgebung. Von der Natur ist es deshalb so eingerichtet, dass das Gehirn eines
Welpen dem Alter entsprechend eine jeweils begrenzte Zeit lang für bestimmte
Reize und Erfahrungen empfänglich ist. Was der Welpe in diesen Phasen erlebt,
prägt sich nahezu unauslöschlich in sein Gehirn.
Prägung
auf Artgenossen:
Sie ist einer der wichtigsten Vorgänge in dieser Phase. Wenn zu Beginn dieses
Entwicklungsabschnitts alle Sinne ihre Tätigkeit aufnehmen, ist es dem Welpen
erstmals möglich, Mutter und Geschwister zu sehen, zu hören und zu riechen.
Das aus diesen Eindrücken gewonnenen Bild prägt sich dauerhaft in das Gehirn
des jungen Hundes ein.
Sozialisierung
mit dem Menschen:
Sie findet zwischen der 3. und 8. Woche statt und ist notwendig, damit der Hund
auch im Menschen einen Artgenossen im weiteren Sinne sieht. Diese
Sozialisierung, die die Voraussetzung für das Vertrauensverhältnis des Hundes
zum Menschen bietet, ist überwiegend jetzt möglich und kann später nicht mehr
in diesem Maß nachgeholt werden. In dieser Zeit müssen Welpen engen Kontakt zu
verschiedenen Menschen haben, um viele gute Erfahrungen zu sammeln. Besucher
sollten sie streicheln, auf den Arm nehmen und mit ihnen spielen. Für einen
zukünftigen Familienhund ist es ideal, wenn er bereits in dieser Zeit gute
Erfahrungen mit Kindern machen kann.
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Ein Hund, der in diesem Lebensabschnitt keinen oder zu wenig Kontakt mit Menschen hat, kann je nach Charakter zwar bis zu einem gewissen Grad an sie gewöhnt werden. Er wird aber unter Umständen nicht so vertrauensvoll wie ein früh sozialisierter Hund. Oft ist so ein Tier im Umgang mit Menschen nicht ganz zuverlässig, im ungünstigsten Fall kann es zum Angstbeißer werden.
Sozialisierung mit
anderen Heimtieren:
Auch sie ist jetzt möglich. Wächst der Welpe etwa mit
"hundefreundlichen" Katzen auf, wird er auch später gut mit ihnen
auskommen.
Auch in der körperlichen
Entwicklung macht der Welpe in diesem Lebensabschnitt große Fortschritte.
In der Zeit nach der Geburt konnte er sich nur durch Kriechen oder Krabbeln
vorwärtsbewegen. Nun lernt er andere Fortbewegungsarten wie Klettern, Hüpfen,
Laufen und vieles mehr. Er ist dabei natürlich noch recht unsicher und
tolpatschig. Aber jetzt ist er körperlich und geistig so weit, das Wurflager zu
verlassen und die Umgebung zu erkunden. Dabei vergrößert sich sein
Aktionsradius ständig.
Um der Entwicklung des Welpen gerecht zu werden, muss er die Möglichkeit haben,
viele Erfahrungen mit seiner Umwelt zu machen. Denn alles, was er jetzt
kennenlernt, wir d später für ihn ganz selbstverständlich sein. Wächst der
Welpe im Haus auf, begegnet er automatisch allem, was so zum Alltag gehört, zum
Beispiel dem Staubsauger, dem Rührgerät, verschiedenen Arten von Bodenbelägen
und ähnlichem. Ein verantwortungsvoller Züchter wird seinen Welpen eine Art
"Abenteuerspielplatz" mit verschiedenen Beschäftigungs- und
Spielmöglichkeiten bieten. Manche Züchter unternehmen mit der Hündin und den
Welpen kleine Erkundungsausflüge. So gesehen, haben Welpen, die im Frühjahr
oder Sommer geworfen werden, weit mehr Gelegenheit, ihre Umwelt zu erforschen,
als Herbst- oder Winterwelpen.
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Sozialverhalten:
Noch etwas erfährt der Welpe in dieser Zeit: innerartliches Sozialverhalten.
Sowohl durch das Verhalten der Mutter in unterschiedlichen Situationen als auch
durch das Spiel mit ihr und den Geschwistern lernt er, die verschiedenen Signale
von Körper- und Lautsprache zu deuten und Verhaltensweisen zu übernehmen. Ein
normales Verhalten der Hündin ist dabei wesentlich. Dennoch kann es trotz
bester Aufzucht manchmal vorkommen, dass ein Welpe scheu und mißtrauisch
bleibt. In diesem Fall liegt wahrscheinlich eine angeborene Wesensschwäche vor.
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Die Bedeutung für den
Hundebesitzer:
In diesen ersten acht Lebenswochen trägt der Züchter eine große Verantwortung
für die gesunde Entwicklung der Welpen. Wachsen sie irgendwo abseits auf,
bleibt ihnen die Umwelt mit ihren wichtigen Erlebnissen vorenthalten. Die Folge
können schwere Verhaltensstörungen sein. Zudem wird die Entwicklung des
Gehirns gehemmt, was zu einer verminderten Lernfähigkeit führt.
Dritter bis fünfter Monat oben
Auch in dieser Zeit der Sozialisierungsphase lernt der Welpe prägungsähnlich. Deshalb sind auch diese Wochen sehr wichtig. Je nach Rasse dauert die Sozialisierungsphase bis etwa zur 16., längstens bis zur 20. Woche.
Leben
in der Gemeinschaft:
Der Lebensabschnitt des Welpen ist von drei Faktoren gekennzeichnet:
- Eine besonders ausgeprägte Bereitwilligkeit, sich in einen sozialen Verband
zu integrieren
- eine große Lernbereitschaft
- und ein hoher Spieltrieb.
Das Interesse an der Umwelt steigt, und mit ihm das Bedürfnis des Welpen, sie
zu erforschen. Durch Spielen werden Muskeln und Knochen trainiert, innere Organe
wie Herz und Lunge in ihrer Leistungsfähigkeit erhöht. Der Welpe lernt, sich
immer sicherer zu bewegen. Wie bei seinen wilden Verwandten werden in dieser
Zeit die Grundlagen für eine problemlose Verständigung mit Artgenossen gelegt.
Umzug
ins neue Zuhause:
In die Sozialisierungsphase fällt gewöhnlich auch die Übergabe des Welpen an
seinen neuen Besitzer. Im allgemeinen ist es günstig, den Hund zu Beginn dieser
Phase zu sich zu holen, damit diese optimal genutzt wird. Lebt er jedoch beim
Züchter unter den besten Bedingungen, also mit reichlich Gelegenheit, die
Umwelt zu erforschen und mit Geschwistern und Mutter zu spielen, kann man ihn
auch bis zur 10. Woche dort lassen. Auf jeden Fall sollte der Welpe vor Ablauf
der Sozialisierungsphase in sein neues Zuhause einziehen.
In den folgenden Wochen werden die Weichen für ein harmonisches Zusammenleben
des Menschen mit dem Hund gestellt. Die Trennung von Mutter und Geschwistern,
verbunden mit dem Umzug in eine unbekannte Umgebung, ist ein großer Einschnitt
im Leben des Welpen. Denn dadurch werden wichtige Entwicklungsprozesse momentan
unterbrochen. Instinktiv weiß der Welpe, dass er ohne sein Rudel sozusagen
verloren ist. Ein verlassener Wolfswelpe etwa würde in freier Natur
unweigerlich umkommen. Der Selbsterhaltungstrieb veranlasst den Welpen nun dazu,
Anschluss bei seinem neuen Rudel zu suchen.
Die
Bedeutung für den Hundebesitzer:
Diese Zeit ist die Phase schlechthin, in dem die Grundlagen für eine
lebenslange enge Bindung geschaffen werden. Eine solche Bindung erreichen Sie,
wenn Sie Ihrem Welpen sehr viel Zeit widmen und ihn möglichst ständig um sich
haben. Nehmen Sie ihn ernst, das heißt, dass Sie ihn in diesem ganz wichtigen
Lebensabschnitt als richtigen Hund betrachten sollten, nicht etwa als Schmuse-
und Kuscheltier.
Von Anfang an müssen für den Welpen die gleichen Regeln gelten wie später
für den erwachsenen Hund. Dieser kann zum Beispiel nicht verstehen, warum er
als Welpe mit ins Bett durfte und nun, da er ausgewachsen ist, plötzlich auf
seiner Decke schlafen soll. Ihm ist ja nicht bewusst, dass er vorher süß und
klein war und nun vielleicht 40kg wiegt und 70cm Schulterhöhe misst. Ein Hund
braucht zu seiner Orientierung und zur Bildung von Sicherheit und Vertrauen
genaue Regeln, nach denen er sich richten kann und die immer gültig sind. Ist
das gewährleistet, akzeptiert er seine menschlichen Sozialpartner und fühlst
sich in seiner "Familie" geborgen.
Gemeinsames
Spiel ist wichtig
Sehr wichtig in der Sozialisierungsphase ist für den Welpen das Spiel mit
Ihnen. Diese artgerechte Zuwendung mag er nicht nur sehr gern, sie trägt
auch wesentlich zum Entstehen einer engen Bindung bei. Wenn Sie hin und wieder
selbst zum Spiel auffordern oder bestimmen, wann es zu Ende ist, vermitteln Sie
dem Welpen gleichzeitig, dass Sie der "Rudelführer" sind. Durch das
Spiel lernt der Welpe auch die Beißhemmung dem Menschen gegenüber. Erlauben
Sie ihm also nicht, nach Körperteilen oder der Kleidung zu schnappen. Wenn der
Kleine nach dem Spiel müde ist, können Sie sich zum ihm auf den Teppich legen
und so das Kontaktliegen imitieren. Auch dies fördert eine enge Bindung und
gibt dem Hund Vertrauen.
Viele
Umwelterlebnisse
In diesem Lebensabschnitt sollten neben ersten Übungen auch gemeinsame
Unternehmungen mit Ihnen auf dem Programm stehen. Bieten Sie dem Welpen
dabei viele Umwelterlebnisse, das fördert eine gesunde Wesensentwicklung.
Vermeiden Sie aber eine Reizüberflutung.
Ermöglichen Sie dem Welpen viel Kontakt zu Menschen, selbst wenn er später ein
Wachhund werden soll. Hat er rassebedingt einen gewissen Wachinstinkt in sich,
verliert er diesen durch den Kontakt mit Menschen gewiss nicht. Dagegen kann ein
kontaktarm aufgewachsener Hund zu misstrauisch werden, an sich unbedrohliche
Situationen missverstehen und dann falsch reagieren.
Da die Sozialisierungsphase, wie schon erwähnt, eine Prägungsphase ist, sollte
der Welpe alles, was in Zukunft zu seinem Leben gehört, kennenlernen. Führen
Sie ihn ab und zu in der Stadt herum. Zeigen Sie ihm alle möglichen Arten von
Gelände, sei es Wiese, Asphalt, Kies und ähnliches. Lassen Sie ihn auf
verschiedenen Bodenarten wie Fliesen-, Holz- oder Teppichböden laufen oder ab
und zu Treppen steigen, um späteren Unsicherheiten vorzubeugen. Bei
Spaziergängen können Sie kleine "Abenteuer" einbauen, zum Beispiel
zusammen mit dem Welpen einen umgestürzten Baumstamm oder einen Erdwall
überwinden. All das fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl.
Reagiert Ihr Welpe in einer normalen Situation etwas unsicher, sollten Sie dies
spielerisch übergehen. Sie verstärken das ängstliche Verhalten, wenn Sie ihn
beruhigend streicheln oder womöglich auf den Arm nehmen.
Verhalten
zu Artensgenossen:
Die Einübung des Sozialverhaltens unter Artgenossen, die sich ebenfalls in
dieser Phase vollzieht, wird durch die Trennung von Mutter und Geschwistern jäh
unterbrochen. Die Fortsetzung dieser Entwicklung liegt nun bei Ihnen. Geben Sie
dem Welpen Gelegenheit, sich mit gut veranlagten Hunden jeden Alters zu treffen.
Fragen Sie im Zweifelsfall den jeweiligen Besitzer, ob sein Hund Welpen
gegenüber tolerant ist. Ganz wichtig ist auch das Spielen mit Gleichaltrigen,
am einfachsten ist dies in einer Welpenspielgruppe möglich.
Wenn Sie dem Junghund in der Integrationsphase nicht vermitteln können, dass Sie ein guter Rudelsführer sind, wird das Vertrauens- verhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Hund nie stabil sein.
(Text aus "Unser Welpe" von Katharina Schlegl-Kofler, GU Verlag; Bilder © Webmaster)